Wie die Raumfahrt irdische Technologie zu verbessern hilft

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Datum 14.01.2021
Lesezeit 3 Min.

Wie die Raumfahrt irdische Technologie zu verbessern hilft

Von Ana Moreno, CNN Business

Kopenhagen, Dänemark (CNN Business) Im November 2020 war es soweit: Seit nunmehr 20 Jahren befinden sich ununterbrochen Menschen auf der Internationalen Raumstation (ISS). Wissenschaftliche Forschungsergebnisse, mit denen das Leben auf der ISS verbessert werden soll, führten zu zahllosen Entwicklungen und Verbesserungen in der Raumfahrttechnik. Diese kommen auch den Menschen auf der Erde zugute.

LED-Beleuchtungstechnik, die ursprünglich entwickelt wurde, um bei Astronauten Schlafstörungen zu verhindern, wurde für den häuslichen Gebrauch angepasst. Ein Trainingssystem, mit dem Astronauten auch in der Schwerelosigkeit fit bleiben können, wird jetzt auch beim Heimtraining angewandt.

Erst kürzlich entwickelte ein Unternehmen, das ein Wasseraufbereitungssystem für die ISS entworfen hat, hierauf basierend Technologien, die genau dort für sauberes Trinkwasser sorgen könnten, wo es am dringendsten benötigt wird.

 

Der Filter der Natur

Auf der ISS muss jeder Tropfen Nässe, von Luftfeuchtigkeit bis hin zu Urin, gefiltert und wiederverwendet werden. Laut NASA ist das aktuelle System allerdings sehr schwer, muss alle 90 Tage ausgetauscht werden und filtert bestimmte Schadstoffe nicht aus.

Das dänische Unternehmen Aquaporin A/S hat ein neues System entwickelt, in dem Proteine namens Aquaporine verwendet werden. „Das ist im Wesentlichen der Mechanismus, mit dem Wasser die Zellmembranen lebender Zellen durchdringt“, erklärt Peter Holme Jensen, CEO von Aquaporin A/S. In der Natur ermöglichen diese Proteine es Pflanzenwurzeln, Wasser aus dem Boden aufzunehmen, und – im Falle menschlicher Nieren – jeden Tag etwa 1.700 Liter Flüssigkeit zu filtern. Darüber hinaus sind sie sehr selektiv und verhindern das Eindringen von Schadstoffen in den gefilterten Teil.

Nach Versuchen im Weltraum erwägt NASA jetzt, sein aktuelles System mit dem von Aquaporin zu ersetzen. Die Technologie wird jedoch auch in anderen, naheliegenderen Anwendungen hier auf der Erde genutzt.




Video: YouTube / Vodafone Deutschland

 

Über 2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In moderneren Ländern sind viele Menschen außerdem nicht davon überzeugt, dass Leitungswasser wirklich trinkbar ist. Mehr als die Hälfte aller Haushalte in den Vereinigten Staaten haben Bedenken hinsichtlich der Qualität ihres Leitungswassers und nur 55 % aller Europäer trinken Wasser direkt aus der häuslichen Leitung.

Aquaporins Technologie könnte hier helfen. Das Unternehmen arbeitet mit Abwasserunternehmen, darunter BIOFOS, dem größten staatlichen Abwasserunternehmen Dänemarks, und UTB Envirotec in Ungarn zusammen. Ziel ist es, Mikroschadstoffe und Mikroplastik aus Abwasser herauszufiltern und zu verhindern, dass sie letztlich ins Meer gelangen.

Eine bei BIOFOS durchgeführte Studie ergab, dass Aquaporine über 95 % des Mikroplastiks und der Mikroschadstoffe aus Abwasser entfernen und dabei sehr viel weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Systeme.

„Das Ganze hat enormes Potenzial“, meint BIOFOS-Innovationsmanager Dines Thornberg, der die Studie leitete. „Ich glaube, das Aquaporin-System könnte wegbereitend sein, um in Zukunft wirklich sauberes, erschwingliches Trinkwasser aus Abwasser zu gewinnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Technologien wie dieser den Herausforderungen von Wasserknappheit in vielen Teilen der Welt begegnen können.“

 

Wasserfilter-System von Pureit

Wasser ist Leben: Dementsprechend werden Wasseraufbereitungssysteme auch in Zukunft große Bedeutung haben.

 

Sauberes Wasser zu Hause

Jensen hat darüber hinaus eine Chance erkannt, den inländischen Markt für Wasseraufbereitung zu erschließen – ein Sektor, der einer Schätzung zufolge bis 2025 einen Wert von 24 Milliarden $ erreichen könnte.

Letzten Monat führte Aquaporin A/S ein Untertisch-Wasserfiltersystem ein, das elektrischen Strom betrieben wird. Das System kostet derzeit 650 Euro. Aktueller Zielmarkt des Unternehmens ist Europa. Eine Expansion in die Vereinigten Staaten, und dann nach Indien und China, ist für die nächsten zwei Jahre geplant.

Die Produktion wird nach und nach gesteigert und das langfristige Ziel ist es, in wasserknappen Regionen ein erschwingliches Produkt anzubieten. „Ich glaube wirklich, wir können damit die Welt ein Stück besser machen“, meint Jensen.

 

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