Digitale Vorreiterinnen Teil 6: Laura Tönnies von corrux im Interview

Digitale Vorreiter

Digitale Vorreiter

Datum 10.10.2019
Lesezeit 4 Min.

Digitale Vorreiterinnen Teil 6: Laura Tönnies von corrux im Interview

Frauen in Führungspositionen sind in deutschen Unternehmen immer noch die Minderheit. Doch: Warum ist das so und was kann dafür getan werden, damit sich das ändert? Wie sieht es in anderen Digitalunternehmen aus? In unserer Serie „Digitale Vorreiterinnen“ werfen wir einen Blick über den Tellerrand und haben verschiedene erfolgreiche Frauen zu ihrem Berufsalltag in innovativen Unternehmen befragt.

Laura Tönnies, Geschäftsführerin und Gründerin von corrux, in der vierten Ausgabe der Digitalen Vorreiterinnen. Die studierte Mathematikerin ist unter anderem für die strategische Unternehmensentwicklung von corrux verantwortlich und ist zugleich Hauptansprechpartnerin für Kunden und Partner. Ihr Münchener Start-up optimiert den Einsatz großer Bautechnik mit Hilfe einer vorausschauenden Analyse-Software. Laura Tönnies stammt aus einer Familie von Bauunternehmern und ist mit den spezifischen Herausforderungen der Baubranche von Klein-auf vertraut. Im Interview mit featured Business erläutert sie, warum ein gutes Mentoring gerade für junge weibliche Talente von enormer Bedeutung ist.

Was ist Ihre aktuelle Position und wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Berufsleben aus?

Als Geschäftsführerin bei corrux bin ich Hauptansprechpartner für unsere Kunden und Partner. Wir legen großen Wert auf einen engen Austausch mit unseren Kunden und erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze, um deren digitalen Wandel zu beschleunigen. Ein anderer Teil meines Jobs besteht darin, am Markt zu sein. Ich sammle beispielsweise wichtige Informationen für unsere Produktentwicklung und arbeite intern mit dem Team auf, wie diese bei unserer Entwicklung priorisiert werden. Ich glaube, dass es nur eine konstante in meinem Berufsalltag gibt: jeden Morgen eine heiße Zitrone oder Tasse Tee, lange vor dem Frühstück. Ansonsten gleicht kaum ein Tag dem anderen. Es gibt Wochen, in denen ich viel reise und unterwegs auf Baustellen bin, dann gibt es auch wieder Strecken von 2-3 Tagen, an denen ich durchgängig mit meinem Team im Büro sitze.

Laura Tönnies

Laura Tönnies

Unternehmen: corrux

Position: CEO
Alter: 25

Was begeistert Sie an Ihrer jetzigen Position?

Wir dürfen in dem niedrig digitalisierten Baubereich die digitale Revolution mitgestalten. Für eine hart arbeitende, dankbare Nutzergruppe kreieren wir eine völlig neue Arbeits- und Kollaborationsweise. Es gibt keine fest verankerten Vorgehensweisen, an denen wir unsere nächsten Schritte ausrichten, sondern können mit neuen Technologien gestalten. Das alles begeistert mich jeden Tag aufs Neue.

Was inspiriert Sie? Wie bleiben Sie up-to-date?

Inspiriert und „Up-to-date“ bleibe ich mit einer Mischung aus klassischen und schnellen, neuen Medien. Zum Start: die schnellen Medien wie Steingarts Morning Briefing und Hackernews. Hier erhalte ich meinen Überblick von Tech und Wirtschaft und kann dann gezielt weiter nachlesen. Ich schätze ein gutes Verhältnis aus „modernen“ Medien und, ganz tradiert, einem guten Buch. Oft ist meine Leseauswahl geprägt von einer gewissen Entscheidungsschwäche und somit bin ich meist von mehreren Büchern gleichzeitig inspiriert.

Welche Methoden helfen Ihnen, eine gute Work-Life Balance zu halten? Was hilft Ihnen dabei, mit stressigen Situationen im Arbeitsalltag umzugehen?

Eine präsente Geisteshaltung in jedem oder möglichst vielen Momenten ist meiner Meinung nach der Schlüssel zur Balance. In jeder beliebigen Situation kann man sich über das eben Verstrichene oder das kurz Bevorstehende ärgern oder bei positiven Ereignissen stark danach sehnen. Ein aufmerksames Bewusstsein für den Moment beugt unnötigen Stress vor.

Welche Eigenschaften machen, Ihrer Meinung nach, einen guten Leader aus?

Ein guter Leader sollte mit Disziplin, Wissbegierde und Demut ausgestattet sein. Alle drei Faktoren hängen stark miteinander zusammen und sind für mich entscheidend um ein Team oder eine Idee auf den richtigen Pfad zu bringen.

Warum gibt es nach Ihrer Einschätzung so wenige weibliche Führungspersonen und Gründerinnen in Deutschland?

Es fehlt weiterhin an ausreichendem Mentoring. Erfreulicherweise hatte ich sehr früh den Zugang zu erfahrenen Unternehmern, die den Weg der mir bevor liegt, schon mindestens einmal beschritten haben. Hier durfte ich viel darüber lernen, wie man sich am besten zum eigenen Ziel manövriert. Den steinigen Weg zum Ziel bestreitet man letztendlich aus eigener Kraft, jedoch sind Feedback und erfahrene Perspektiven für die Reise immens hilfreich. Männliche Führungspersonen verkehren oft bereits im Studium in Netzwerken, wo eine Feedback-Kultur aktiv über Generationen vorangetrieben wird. Gerade junge Frauen sollten sich frühzeitig ein gutes berufliches Netzwerk aufbauen. Für mich liegt der Schlüssel darin, solche Netzwerke jedoch nicht geschlechterspezifisch, sondern übergreifend aufzubauen. Junge Talente müssen früh gefördert werden und Karriereperspektiven müssen gemeinsam erarbeitet werden.

Gleichberechtigung am Arbeitsplatz: Was würden Sie sich in Zukunft wünschen oder was würden Sie sofort ändern, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Ich würde mir wünschen, dass Vorurteile nicht bereits in der Schulzeit oder im Kindesalter fest verdrahtet werden. Zu oft habe ich in meiner Schulzeit gehört: „Das müssen Mädchen nicht können“. Wenn sich Mädchen und junge Frauen weniger mit überholten Stereotypen auseinandersetzen müssten, würden sich große Ambitionen verstärken und man würde sich mit den konkreten Schritten der Umsetzung beschäftigen – statt bereits bei der Frage „Kann ich das?“ übermäßige Zweifel zu entwickeln.

Wenn Sie jungen Frauen einen Karriereratschlag geben könnten, wäre das …

Seid gewissenhaft und geht reflektiert mit Feedback um. Für Frauen wie Männer gilt: Oft verdrängt man Feedback direkt nach der Konfrontation ohne sich tiefergehend damit auseinanderzusetzen. Feedback muss nicht nur angenommen werden, sondern muss gezielt reflektiert werden – auch wenn es im ersten Moment unangenehm sein mag.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Tag lang Digitalkönigin von Deutschland. Welchen analogen Prozess würden Sie sofort digitalisieren?

Nahliegend sind für mich sämtliche Behördengänge und Anmeldeverfahren. Aus corrux Sicht, haben wir es jeden Tag mit analogen Prozessen zu tun, welche wir mit digitalen Hilfsmitteln peu à peu verbessern. Somit beschleunigt der Tag als „Digitalkönigin“ die Ziele an denen wir arbeiten nur!

Was macht für Sie einen digitalen Vorreiter aus? Was bedeutet Digitalisierung/Digitalkompetenz für Sie?

Individuen, die nüchtern und frei vom Ego erkannt haben, in welchen Bereichen sie „schwächeln“ und Maßnahmen ergreifen, bevor sie von der Digitalisierungswelle oder in Ermangelung an Innovationen überrollt werden.

 

Noch mehr Interviews mit Digitalen Vorreitern finden Sie auf featured Business.

Übrigens: Corrux ist als Boost-Partner von Vodafone UPLIFT  mit einem eigenen Stand am 07. November auf der #futureconnect Tour in München dabei.

 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Facebook Twitter WhatsApp LinkedIn Xing E-Mail