Digitale Vorreiterinnen Teil 3: Jeanette Spanier von SCAFFEYE im Interview

Digitale Vorreiter

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Datum 24.05.2019
Lesezeit 4 Min.

Digitale Vorreiterinnen Teil 3: Jeanette Spanier von SCAFFEYE im Interview

Frauen in Führungspositionen sind in deutschen Unternehmen immer noch die Minderheit. Doch: Warum ist das so und was kann dafür getan werden, damit sich das ändert? Wie sieht es in anderen Digitalunternehmen aus? In unserer Serie „Digitale Vorreiterinnen“ werfen wir einen Blick über den Tellerrand und haben verschiedene erfolgreiche Frauen zu ihrem Berufsalltag in innovativen Unternehmen befragt.

Jeanette Spanier wollte schon als Kind Gerüstbauerin werden. Sie folgte dem Beispiel ihres Vaters und wurde Gerüstbaumeisterin, arbeitete im Familienbetrieb und erkannte schon bald die komplexen Herausforderungen, die das Gerüstbau-Management mit sich bringt. Mit SCAFFEYE hat sie deshalb eine digitale Komplettlösung für den Gerüstbau realisiert, die allen Beteiligten auf der Baustelle Zeit, Kosten und Risiken erspart. Wie es ist, im männlich geprägten Bauumfeld zu arbeiten, erzählt sie uns in der dritten Ausgabe der Digitalen Vorreiterinnen.

Was ist Ihre aktuelle Position und wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Berufsleben aus?

Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin der SCAFFEYE GbR. Zurzeit arbeite ich allein – sozusagen als One-Women-Show. Ich kümmere mich um Weiterentwicklung, Konzeptionierung, Marketing und den Vertrieb. Zurzeit reise ich auch viel: durch Deutschland, die Schweiz und das Umland, um SCAFFEYE zu präsentieren und die Markteinführung voranzutreiben.

Was begeistert Sie an Ihrer jetzigen Position?

Ich finde es sehr interessant, einen klassischen Handwerksbetrieb innovativer zu gestalten. Ich habe für Probleme, die wir im Gerüstbauunternehmen hatten, Lösungen geschaffen. Nicht nur wir standen vor diesen Herausforderungen, sondern auch andere, die mit Gerüsten zu tun haben, egal ob Ersteller oder Nutzer. Da es auf dem Markt nichts gab, das uns als Ersteller absicherte, habe ich lange überlegt und den Schritt in mein Start-up SCAFFEYE gewagt.

Was inspiriert Sie? Wie bleiben Sie up-to-date?

Ich besuche viele Fachmessen und halte selbst eine Menge Vorträge zum Thema Digitalisierung im Handwerk und Arbeitssicherheit beim Gerüstbau. Für mich sind Fachmessen wie die Baumaschinen-Messe bauma oder die Bau 2019 interessant. Ich versuche natürlich auch mein Netzwerk über verschiedene Veranstaltungsreihen auszubauen. Netzwerk-Treffen sind aber auch inhaltlich immer sehr inspirierend und informativ. Anfangs habe ich ganz klassische Start-up Messen besucht, wie die ArchSummit in Luxembourg. Hier ist es zum Kontakt mit Vodafone und dem Start-up-Programm UPLIFT gekommen. 

Welche Methoden helfen Ihnen, eine gute Work-Life Balance zu halten? Was hilft Ihnen dabei, mit stressigen Situationen im Arbeitsalltag umzugehen?

Die Zeit mit meinem Lebensgefährten und den gemeinsamen Hobbys, die wir an Wochenenden oder freien Tagen genießen. Ein großes Hobby ist der Rennradsport. Fun Fact: Die Idee zu SCAFFEYE ist mir beispielsweise gekommen, als ich mit meinem Rennrad an der Mosel unterwegs war. Nach der Radrunde skizzierte ich meine Idee auf einem Blatt Papier und präsentierte sie später in unserem Unternehmen: Die Geburtsstunde meines Start-ups. 

Meine Work-Life Balance ist gerade am Anfang von SCAFFEYE sicherlich verbesserungswürdig. Ich vermute, die wird sich erst nach erfolgreicher Markteinführung einstellen können und gerade arbeiten wir alle diesem großen Ziel entgegen. Aber bei allem Stress, den ich zweifelsfrei habe, ist es wichtig, dass ich mir immer wieder vor Augen führe, wofür ich das alles tue: Für meine Vision. Ich stehe voll und ganz hinter meinem Projekt – auch, wenn das ab und an mehr Zeit erfordert.

Welche Eigenschaften machen, Ihrer Meinung nach, einen guten Leader aus?

Die Bereitschaft zu kommunizieren und mit den Mitarbeitern in den Dialog zu treten. Eine gute Führungskraft besitzt meiner Meinung nach vor allem Einfühlungsvermögen und ist begeisterungsfähig. Bereits mit Anfang 20 habe ich unser Familienunternehmen in Luxembourg als Gesellschafterin und Geschäftsführerin übernommen. Ich war also wirklich noch sehr jung, als ich Führungsverantwortung übernehmen und leben musste. Das Team ist mit mir und unseren Aufgaben stetig gewachsen.

Warum gibt es nach Ihrer Einschätzung so wenige weibliche Führungspersonen und Gründerinnen in Deutschland?

Ich denke, viele trauen sich nicht, auch in von Männern dominierten Berufen ihre Frau zu stehen. Auch sehe ich das Problem in traditionellen Rollenzuschreibungen, die weiterhin existieren. Mädchen und Frauen wird noch immer gesagt, dass sie nicht beides haben können: Kinder UND Karriere. Und die Vorstellung, dass Frauen im Handwerk nichts zu suchen hätten, ist leider immer noch weit verbreitet. Man wird wirklich oft belächelt und muss noch mehr als die männlichen Kollegen erst mal sein Können unter Beweis stellen. Es ist anfangs in der Tat eine große Herausforderung, an der Frau aber auch wachsen kann. Den nötigen Willen und auch das Durchhaltevermögen sollte man schon mitbringen, wenn man sich für einen von Männern dominierten Beruf entscheidet.

Gleichberechtigung am Arbeitsplatz: Was würden Sie sich in Zukunft wünschen oder was würden Sie sofort ändern, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Die gerechte Behandlung von allen Mitarbeitern – und zwar in sämtlichen Bereichen. Auf unsere Branche bezogen: Dass auch Handwerksbetriebe mehr auf junge Frauen eingehen und diese auch bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen müssen. Unternehmer sollten dazu bereit sein, sich neu zu organisieren, wenn Sie Frauen einstellen. Ich spreche hier insbesondere von finanzieller Gleichbehandlung, von gezielten Fördermaßnahmen für Frauen und zum Beispiel auch von der Möglichkeit, dass Väter in Elternzeit gehen können, ohne belächelt zu werden. 

Jeanette Spanier

Jeanette Spanier

Unternehmen: SCAFFEYE
Position: Geschäftsführerin
Alter: 34

Wenn Sie jungen Frauen einen Karriereratschlag geben könnten, wäre das …

… ihren Träumen zu folgen und aus ihren Träumen Realität werden zulassen. Niemals aufgeben, auch wenn der Weg manchmal noch so steinig erscheint. Aber in dem alten Spruch steckt für mich viel Wahrheit: Der Weg ist das Ziel. Wer sonst, wenn nicht wir Frauen haben das Zeug dazu, den Weg zu meistern?

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Tag lang Digitalkönigin von Deutschland. Welchen analogen Prozess würden Sie sofort digitalisieren? 

Der ganze Buchhaltungsprozess und die Lohnabrechnung im Bauhandwerk. Die Digitalisierung hält zwar auch in handwerklichen Bereichen Einzug, aber man tut sich im Allgemeinen noch schwer damit, interne Prozesse grundlegend zu überdenken. Für viele Betriebe wird der Umstieg auch durch fehlendes Know-How und hohe Kosten erschwert. Hier gibt es meiner Meinung nach Aufholbedarf!

Was macht für Sie einen digitalen Vorreiter aus? Was bedeutet Digitalisierung/Digitalkompetenz für Sie?

Für mich ist wichtig, dass digitale Dienstleistungen und Produkte gerade im Handwerk auch immer Anwendungsbezug haben. Konkret heißt das, die Digitale Transformation muss an der Basis entstehen. Ohne das traditionelle Knowhow des Handwerkers nutzt die schönste Digitalstrategie nichts. Ein digitaler Vorreiter ist für mich jemand, der schon selbst vor Problemen und Herausforderungen stand und nun versucht digitale Lösungen zu finden. Man muss die Prozesse kennen, um ein guter digitaler Vorreiter zu sein.

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