Deutschlands digitale Vorreiter: Je kleiner das Unternehmen, desto mehr Nachholbedarf

Digitale Vorreiter

Digitale Vorreiter

Datum 05.05.2020
Lesezeit 7 Min.

Deutschlands digitale Vorreiter: Je kleiner das Unternehmen, desto mehr Nachholbedarf

Wer im internationalen Wettbewerb bestehen will, kommt um konsequente Digitalisierung nicht herum. Gerade im Mittelstand und bei lokalen Kleinbetrieben haben sich die Anforderungen stark verändert: Spätestens seit der Corona-Krise ist klar dass nur, wer konsequent auch online präsent ist, auf Dauer bestehen und weiter wachsen kann. Die Studien, die wir in diesem Beitrag vorstellen, zeigen vor allem eins: Digitale Vorreiter wachsen schneller und sehen positiver in die Zukunft.

Als digitale Vorreiter werden normalerweise Entrepreneure bezeichnet, die sich selbst als digital gut bis sehr gut aufgestellt einschätzen und bereits mit den neuesten Technologien ausgestattet sind. Hierzu zählt, dass diese moderne Geräte wie Tablets und Smartphones einsetzen, auf digitale Dienste wie zum Beispiel Cloud-Lösungen setzen und online-basierte Office-Anwendungen im Einsatz haben. Im Bereich von Websites und Online-Shops setzen sie auf moderne Verschlüsselungstechniken und schnelle Server und gewährleisten hierdurch maximalen Datenschutz und Kundenservice.

Einer Bitkom-Untersuchung aus dem Jahr 2018 zufolge haben bereits 89 Prozent der befragten Unternehmen die fortschreitende Digitalisierung inzwischen „als Chance” erkannt. Doch erst 78 Prozent haben eine konkrete Digitalstrategie. Bei der konkreten Realisierung eines digitalen Unternehmens wiederum sehen noch weit mehr Firmen Nachholbedarf. Ein schneller Internetanschluss ist dabei nur eine von vielen Komponenten.

Große Unternehmen übernehmen in der Digitalisierung die Vorreiterrolle

Obwohl große Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern eigentlich als wenig flexibel gelten, sind sie doch im Bereich der digitalen Transformation wohl aktuell Vorreiter. Etwa 74 Prozent von ihnen sehen sich in dieser Rolle, während nur 24 Prozent glauben, den Entwicklungen derzeit noch hinterher zu laufen. Ganz anders die Kleinunternehmen: Hier sehen ganze 60 Prozent Nachholbedarf. Fünf Prozent der kleineren Unternehmen glauben sogar, „den Anschluss verpasst” zu haben.

Infografik: Je größer desto digitaler | Statista

Infografik: Statista

Doch damit nicht genug: Im Digital-Atlas 2018 des Instituts der deutschen Wirtschaft ist sogar von „digitaler Dividende” die Rede: Umsatz und Beschäftigtenzahl sind bei digitalisierten Unternehmen beziehungsweise solchen, die hier konsequent investiert haben, seit 2015 „weit überdurchschnittlich” gestiegen. Blickt man auf die Frage, wo das Gros an Umsätzen erzielt wird, ergibt sich ein noch deutlicheres Bild: In kleinen und mittelständischen Betrieben werden bis heute im Schnitt erst zehn Prozent der Umsätze über digitale Vertriebskanäle generiert.

Digitalisierung regional: Punktsieg für die zwei größten Städte – und einige Überraschungen

Ganz klar: Die Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen hat wie oben bereits erwähnt einen wichtigen Einfluss auf den möglichen Grad der Digitalisierung eines Unternehmens. Doch es ist nur einer von mehreren bedeutsamen Faktoren. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, ob Unternehmen, die grundsätzlich digitalisierungswillig sind, vor Ort überhaupt genügend spezialisierte Fachkräfte für die freien Stellen rekrutieren können – und wie die Gesamtbedingungen vor Ort ausfallen. Dabei gibt es je nach Bundesland, aber auch in den einzelnen Städten deutliche Unterschiede.

Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) in Berlin hat im Rahmen des „Deutschland-Index zur Digitalisierung 2019” insgesamt fünf wichtige Faktoren für den Digitalisierungsgrad, aufgeteilt nach den einzelnen Bundesländern, identifiziert:

  • Infrastruktur-Angebot: Wie leistungsfähig ist der digitale Zugang in den einzelnen Regionen?
  • Digitales Leben: Wie digital leben die Menschen bereits und welche Angebote nutzen sie?
  • Wirtschaft und Forschung: Wie leistungsstark sind die einzelnen Bundesländer, was die notwendige Verzahnung von Wissenschaft und Industrie angeht?
  • Bürgerservices: Wie digital ist die kommunale Verwaltung bereits?
  • Digitale Kommune: Wie digital sind die Kommunen selbst? (Stichwort: Smart City und Co.)

All diese Faktoren in ihrem Zusammenspiel liefern wertvolle Hinweise darauf, in welchen Regionen die Digitalisierung schon jetzt besonders weit vorangeschritten ist:

Das Infrastruktur-Angebot: Großstädte weiterhin vorn, aber der ländliche Raum holt auf

Wie nicht anders zu erwarten war, liegt die Breitband-Versorgung in Großstädten stabil auf hohem Niveau. Der ländliche Raum hingegen fällt dahinter zurück – holt aber stetig auf. Insbesondere in Sachsen und Thüringen werden derzeit viele Breitband-Anschlüsse installiert. Doch auch das 5G-Netz ist weiterhin im Ausbau befindlich und wird einen erheblichen Beitrag zur unkomplizierten und flexiblen Versorgung des ländlichen Raums leisten.

Insgesamt bietet hier der Norden derzeit die größte technologische Vielfalt, also Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Arten der Versorgung mit Highspeed-Internet.

Digitales Leben: Wo befinden sich die meisten Digital Natives, Informatiker und IT-Spezialisten?

Dass so gut wie jeder täglichen Umgang mit digitalen Medien hat, liegt auf der Hand. Doch wo sind die Spezialisten, die die Digitalisierung vorantreiben? Auch hier liefert die vorliegende IOK-Studie ein relativ klares Bild. Die meisten IT-Natives, also Menschen mit selbstverständlichem Umgang mit digitalen Medien befinden sich in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Bremen. Bei den Flächenländern liegen Bayern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt relativ weit vorn.

Wirtschaft und Forschung: Im Hightech-Segment oft ein entscheidender Wettbewerbsfaktor

Betrachtet man den Bereich der IT-Weiterbildung und der Startup-Landschaft, ergibt sich ein durchaus differenziertes Bild. Während Berlin und die südöstlichen Bundesländer derzeit ein hohes Maß an Fördergeldern des Bundes im IKT-Bereich in Anspruch nehmen, ist die entsprechende Gründungsdynamik vor allem in Hamburg und Berlin, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern außergewöhnlich hoch. Im sogenannten „Index Wirtschaft und Forschung” wiederum lagen 2019 das Bundesland Sachsen und Berlin vorn, während sich das Hauptgeschehen noch in 2017 auf Hamburg, Berlin, Hessen und Baden-Württemberg verteilte.

Bürgerservices: Digitale Verwaltung spart Zeit und schont die Nerven der Einwohner

Der Ganz zum Amt, das händische Ausfüllen von Formularen und lange Wartezeiten auf behördliche Vorgänge: Was noch vor wenigen Jahren für Frust, Unmut und Zeitverlust sorgte, gelingt inzwischen in vielen Städten und Bundesländern digital und mit deutlich weniger Stress für den Einzelnen. Das Thema Wohnsitzanmeldung, elektronischer Personalausweis und elektronische Formularübermittlung zählen hier zu den wichtigsten Faktoren, die das Leben für die Bürger in bestimmten Regionen schon jetzt deutlich vereinfachen. Hier ist Hamburg Spitzenreiter: Etwa 20 Prozent der üblichen Behördenvorgänge lassen sich dort digital erledigen. Doch auch Bayern und Hessen sind hier ganz vorn dabei. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen scheinen viele Bürgerservices weiterhin analog abzulaufen.

Digitale Kommunen bieten mehr Lebensqualität: Der Weg zur „Smart City”

Nicht nur elektronische Behördengänge sind Teil des digitalen Wandels in Deutschland. Viele Städte sind inzwischen per E-Mail erreichbar, bieten Online-Bürgerbeteiligungen an oder betreiben öffentliche WLAN-Hotspots. Auch das elektronische Bezahlen von Parkscheinen und anderen Gebühren ist Teil der logischen Entwicklung hin zu weniger Papier und mehr Datenverarbeitung. Kaum eine Stadt oder gar ein Bundesland verfügt zwar bislang flächendeckend über intelligente IoT-Parkraumbewirtschaftung und ähnliche Innovationen. Was diesen Faktor insgesamt aber angeht, sehen die IOK-Experten Hamburg, Berlin und das Bundesland Nordrhein-Westfalen auf einem sehr guten Weg.

In unserem separaten Beitrag zu Deutschlands Top-IT-Städten erfahren Sie außerdem, welche Großstädte derzeit aus verschiedenen für die Standortwahl besonders interessant sind.

Video: YouTube / KPMG Deutschland

Ein Blick in die Zukunft: Wo geht die Reise bis 2035 hin?

Wer weiterhin befürchtet, die fortschreitende Digitalisierung koste in der Summe jede Menge Arbeitsplätze, liegt vermutlich falsch: Laut einer Projektion des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden bis zum Jahr 2035 beinahe genauso viele neue Arbeitsplätze entstehen, wie im selben Zeitraum wegfallen. Lediglich die Berufsbilder werden sich immer weiter zugunsten digitaler Skills verschieben. Wer als Unternehmer heute schon für morgen vorsorgen will, sollte also die eigenen Beschäftigten und beispielsweise Auszubildende konsequent schon jetzt mit der digitalen Welt vertraut machen.

Die aktuelle IAB-Studie zum Thema „Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung bis 2035” liefert hier ein differenziertes Bild nach einzelnen bundesdeutschen Regionen – klar ist jedoch, dass bestimmte Branchen insgesamt und unabhängig von der jeweiligen Region zu den klaren Gewinnern, andere zu den Verlierern zählen werden.

Welche Branchen profitieren am meisten von der aktuellen Entwicklung?

Naturgemäß wird die ITK-Branche mit geschätzten 9,8 Prozent zusätzlichem Wachstum gegenüber dem Gesamtzuwachs der Wirtschaft bis 2035 am meisten profitieren. Doch auch andere Branchen dürften einen ordentlichen Schub erleben, wie beispielsweise:

  • Private Haushalte mit Hauspersonal (plus 8,1 Prozent)
  • Kunst, Unterhaltung und Erholung (plus 1,2 Prozent)
  • Erziehung und Unterricht (plus 0,9 Prozent)
  • Zeitarbeitsfirmen (plus 0,6 Prozent)
  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (plus 0,4 Prozent)
  • Unternehmensdienstleister (beispielsweise Berater) (plus 0,4 Prozent)
  • Gastgewerbe (plus 0,2 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt)

Offensichtlich werden sich in Zukunft also viel mehr Haushalte eine elektronische oder menschliche Hilfestellung leisten können (oder müssen). Doch auch der Unterhaltungs- und Freizeitsektor profitiert von der Digitalisierung und dem Wunsch der Menschen nach Abwechslung. In das Thema Bildung wird laut IAB ebenfalls eine Menge investiert werden.

Welche Branchen werden es mit der fortschreitenden Digitalisierung schwerer haben?

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Diese Branchen werden es vermutlich in den nächsten Jahren schwerer als bisher haben:

  • Fahrzeugbau und verarbeitendes Gewerbe (minus 2,4 Prozent)
  • Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (minus 1,7 Prozent)
  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (minus 1,7 Prozent)
  • Metallerzeugung und -bearbeitung, Metallerzeugnisse (minus 1,7 Prozent)
  • Verkehr und Lagerei (minus 1,4 Prozent)
  • Energieversorgung (minus 1,3 Prozent)

Trotz wachsender Weltbevölkerung überwiegen in diesen und weiteren Branchen (für nähere Informationen lohnt ein Blick in die Studie) die Effizienzgewinne durch die Digitalisierung, was zu immensen Kostenvorteilen und somit einem möglichen Umsatzrückgang führen wird. Nichtsdestotrotz und gerade aufgrund dieser Effekte lohnt es sich in diesen Branchen umso mehr, konsequent in Informations- und Kommunikationstechnik zu investieren – und somit der Konkurrenz immer ein Stück voraus zu sein.

 

Welches Unternehmen und welche Region sind Ihrer Meinung nach Vorreiter im Bereich der Digitalisierung? Wo lohnt es sich aktuell, zu investieren und welche Geschäfte werden noch für lange Zeit „analog” abgewickelt werden? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar.

 


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