Ein Start-up gründen: Das sollten Sie wissen

Digitale Vorreiter

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Datum 17.10.2019
Lesezeit 7 Min.

Ein Start-up gründen: Das sollten Sie wissen

Uber, Snapchat und Airbnb sind drei der weltweit erfolgreichsten Start-ups, von denen die meisten Menschen auch schon einmal gehört haben. Die Gründerszene boomt hierzulande ebenfalls: 300.000 Unternehmen werden in Deutschland jedes Jahr neu gegründet. Das Internet leistet dabei oft wertvolle Starthilfe, denn hier können neue Ideen ganz einfach einem breiten Publikum vorgestellt werden. Doch ein guter Einfall garantiert noch lange kein erfolgreiches Unternehmen. Auf dem Weg zum Vorzeige-Start-up gilt es, eine Menge Hürden zu nehmen.

Die Digitalisierung ist der absolute Treiber des Start-up-Trends. Schließlich basieren viele Geschäftsmodelle auf den Möglichkeiten, die das Internet bietet. Der Bundesverband Deutscher Startups, die Unternehmensberatung KPMG und die Uni Duisburg-Essen haben dazu gemeinsam eine Umfrage veranlasst. Es überrascht nicht, dass laut dieser Befragung fast ein Fünftel aller Firmenneugründungen im Bereich IT und Softwareentwicklung entstehen. Gefolgt wird der Spitzenreiter von so genannten „Software as a Service“-Dienstleistungen. 2017 waren 12 Prozent der Start-ups in diesem Bereich aktiv. E-Commerce und Online-Marktplätze fanden sich in der Rangliste, aber auch die Bereiche industrielle Technologien, Produktion und Hardware gehörten zu den beliebten Firmenneugründungen. Wir zeigen Ihnen, worauf es bei einer Neugründung ankommt.

 

So wird Ihr Start-up erfolgreich: Die Gründer-Checkliste

Ähnlich wie bei anderen Projekten hilft auch beim Thema Unternehmensgründung eine gründlich ausgearbeitete Checkliste. Ohne diese geht kaum etwas und sie dient unter anderem als Vorbereitung für den späteren Business-Plan. Wichtig sind hier unter anderem diese Punkte:

Thema Nummer Eins: Der USP – ist meine Idee einzigartig (genug)?

Was genau ist Gegenstand Ihrer Gründung? Warum sollten Menschen bei Ihnen und nicht woanders kaufen? Welche Eigenschaften machen Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung einzigartig? Funktioniert es lokal, regional oder gar global? Wie viele Menschen werden sich später für mein Produkt interessieren und dafür Geld ausgeben? Stellen Sie sich all diese Fragen, bevor Sie loslegen und analysieren Sie genauestens Markt und Wettbewerb.

Dabei können Ihnen sogenannte „Dummies” und Testläufe helfen – Sie stellen einfach eine gewisse, gerade so benutzbare Menge Ihres Produkts her („Minimum Viable Product”-Verfahren) und testen diese an einem fiktiven Markt (beispielsweise im Freundeskreis). Im Online-Bereich kann eine rudimentäre Website helfen, erste Erfahrungen mit der Idee zu sammeln – und so wertvolles Feedback zu erhalten.

Doch Vorsicht: Die Konkurrenz schläft nicht. Je einzigartiger und erfolgversprechender Ihre Idee ist, umso schneller ruft sie mögliche Nachahmer („Copycats”) auf den Plan.

 

„Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.”
Victor Hugo

 

Private Situation: Habe ich Zeit, Raum und genügend finanzielle Mittel, um zu gründen?

Mit der guten Idee ist es leider nicht getan: Sie muss in die Tat umgesetzt werden. Dazu ist Manpower und Ausdauer nötig, gerade in der Anfangsphase. Außerdem werden Sie mit Rückschlägen und Fehlentwicklungen leben müssen – genügend Potenzial also für Frustration und lange Nächte. Prüfen Sie sich selbst und sprechen Sie mit Ihrer Familie. Ziehen alle mit, oder wird die Gründung möglicherweise irgendwann zur privaten Zerreißprobe?

Mit einer „normalen Arbeitnehmerwoche” wird es jedenfalls selten getan sein, wenn Sie mit Ihrem Vorhaben schnell zur Marktreife gelangen wollen. Davon abgesehen kann eine Gründung die private Haushaltskasse stark belasten. Es stehen ja nicht nur Kosten an, für die Sie in Vorleistung treten müssen. Zudem gibt es zu Beginn einer Gründung in der Regel keine oder nur geringe Gewinne. Es kann also sein, dass Ihre Familie mit Ihnen gemeinsam erst einmal den Gürtel enger schnallen muss.

Ein Start-up gründen: Das sollten Sie wissen

Video: YouTube / ARD


Thema Risikobereitschaft: Organisches Wachstum oder Investitionskredite?

Jede Gründung geht mit einem gewissen Risiko einher. Dieses können Sie minimieren, wenn Sie viel Eigenleistung und möglichst Eigenkapital in die Gründung stecken und dabei auf hohe Bankkredite verzichten. Es bedeutet jedoch auch ein langsameres Wachstum, als wenn genügend Kapital hinter der Unternehmung steckt. Unternehmen, die auf Re-Investition von Gewinnen bauen, wachsen relativ langsam: auch bekannt als „organisches” Wachstum. Der positive Aspekt an einem derart organischen Wachstum lautet, dass in der Regel keine unverhältnismäßig teuren Strukturen aufgebaut werden. Aufgeblähte Strukturen können bei einem Scheitern der nächsten Investitionsrunde das sofortige „Aus” für das ganze Vorhaben bedeuten.

Demgegenüber haben fremdfinanzierte Unternehmen den Vorteil, dass sie vorhandene Nischen sehr schnell besetzen können. Gerade in Märkten, in denen bereits viel Konkurrenz herrscht, kommen Sie häufig um ein nennenswertes Einmal-Investment als eine Art „Markteintrittsgebühr” nicht herum. Sie etablieren sich so schneller als „Big Player” und können Ihre Einzigartigkeit besser ausspielen als ohne entsprechende Kapitalrücklagen.

Ein guter Kompromiss kann ein sogenannter Förderkredit sein: Hier erhalten Sie häufig Darlehen oder gar Zuschüsse für bestimmte Vorhaben, die eine gesellschaftliche Relevanz haben. Welche das sind, haben wir für Sie an anderer Stelle sowohl regional als auch bundesweit zusammengefasst.

 

Fachliche Eignung: Ohne echte Expertise geht (meist) nichts

Bevor es an die Umsetzung Ihrer Idee geht, sollten Sie sich fragen: Besitze ich oder besitzt mein Team überhaupt die fachliche Eignung, um am Markt bestehen zu können? Für manche Handwerksberufe etwa ein Meistertitel Grundvoraussetzung, um selbständig tätig zu werden. Entsprechende Regelungen gibt es für die sogenannten Kammerberufe – beispielsweise Ärzte, Steuerberater, Architekten, Notare, Rechtsanwälte und so fort. Wer in einem dieser Berufe selbständig sein möchte, braucht eine Zulassung und sollte sich über die Auflagen für seine Tätigkeit informieren. Schließlich geht es auch um mögliche Haftungsfragen: Manch ein Fehler kann teuer werden und unter Umständen nicht nur die berufliche Existenz kosten.

Grundsätzlich sollten Sie sich aber bei jeder Gründung über Ihre fachliche Eignung im Klaren sein. Besser also, Sie holen sich entweder direkt die passenden Experten ins Haus – oder verfügen selbst über das entsprechende Wissen einschließlich der passenden Bescheinigungen oder Zeugnisse.

 

Wie groß oder klein darf es sein: Alleine gründen oder mit mehreren Personen?

Spätestens an dieser Stelle sollten Sie sich überlegen, wie viele Gesellschafter Sie mit ins Boot holen – und wie viele Mitarbeiter oder Dienstleister Sie von Anfang an beschäftigen müssen. Wollen Sie Einzelunternehmer sein, eine Personengesellschaft gründen, oder vielleicht eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung?

Je mehr Personen zusammen gründen, umso mehr Meinungen werden irgendwann bezüglich wichtiger Entscheidungen im Raum stehen. Das kann von großem Vorteil sein, wenn sich die Ideen und Sichtweisen ergänzen und Sie kompromissfähig bleiben – kann aber auch zum Scheitern führen, wenn die Differenzen zu groß werden. Zerstrittene Gesellschafter können ein Unternehmen regelrecht lahm legen – während bei Einzelgründungen die Gefahr besteht, Sachverhalte und Herausforderungen zu einseitig zu betrachten und gewisse Expertisen einfach nicht abzubilden.

Die Entscheidung, die Sie bezüglich der Unternehmensform treffen, hat aber auch darüber hinaus Konsequenzen: Die Wahrnehmung Ihres Unternehmens wird davon beeinflusst. Als Einzelunternehmer oder Personengesellschaft haften Sie auch mit Ihrem Privatvermögen, wenn Ihre Gründung schief geht. Banken allerdings sehen es bei der Kreditvergabe gern, wenn sich ein Gründer so sicher ist, dass er oder sie auch selbst haften will. Mit einer GmbH ist Ihr privates Hab und Gut relativ gut geschützt, doch das wissen auch die Banken: Es kann sich daher negativ auf Kreditanfragen auswirken. Wer sich als Gründer für eine GmbH oder gar eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) entscheiden möchte, sollte das vorher abwägen.

 

Worauf sollte ich mich konzentrieren? Die SWOT-Analyse

Je mehr Aufwand Sie vorab in die Planung Ihres Vorhabens stecken, umso seltener werden Sie später von unvorhergesehenen Dingen überrascht. Eine sogenannte SWOT-Analyse („Strengths, Weaknesses, Opportunities and Threats”) kann Ihnen dabei helfen.

In jedem Unternehmen gibt es Stärken und Schwächen – immerhin müssen Sie sich ja auf bestimmte Bereiche konzentrieren und können nicht in allen gleichzeitig aktiv sein. Die Kunst erfolgreichen Unternehmertums beruht unter anderem darauf, dass Sie sich auf diejenigen Stärken konzentrieren, die Ihnen die meisten Marktchancen bieten – ohne sich gleichzeitig in Nebenkriegsschauplätze zu verstricken. Diese mögen zwar kurzfristig Rendite versprechen, bringen Sie aber langfristig zu weit von Ihrem Kerngeschäft weg.

Ausklappbare Informationsgrafik

Mit der SWOT-Matrix identifizieren Sie Stärken und Schwächen und leiten daraus Handlungsempfehlungen ab.

 

Wem muss ich gerecht werden? Die Stakeholder-Aufstellung

Jedes Unternehmen wird mit der Zeit mit verschiedenen sogenannten „Stakeholdern” zu tun haben: Interessengruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Notieren Sie zunächst, welche dieser Stakeholder für Sie relevant sein können. Analysieren Sie, was diese von Ihnen erwarten könnten, ob die Erwartungen für Ihre Pläne gefährlich werden könnten und warum.

So minimieren Sie weiter die Gefahr unliebsamer, plötzlicher Überraschungen und sind besser vorbereitet. Unsere Liste stellt nur einen kleinen Auszug von beteiligten Personengruppen dar, die jedoch nicht alle für Sie relevant sein müssen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen internen und externen Stakeholdern – und ihrem Grad der möglichen Einflussnahme auf das Unternehmen. Beispiele sind:

  • Banken (extern)
  • private Investoren (extern)
  • Finanzamt (extern)
  • Kunden (extern)
  • Lieferanten (extern)
  • Dienstleister (extern)
  • Gesetzgeber (extern)
  • Familie (intern)
  • Mitarbeiter (intern)
  • Mitgesellschafter (intern)

 

Ihre Idee zusammengefasst: Der sogenannte Elevator Pitch

Ob als Zusammenfassung für kommende Geschäftspartner und Investoren, oder nur als Erklärung für Ihre Familie: Sie sollten den sogenannten „Elevator Pitch” für Ihr Vorhaben beherrschen. Der Begriff selbst bezeichnet eine (fiktive) Fahrt im Aufzug, bei der Sie Ihre Geschäftsidee innerhalb von etwa 30 Sekunden erklären sollen. Stellen Sie sich vor, Sie sollten jemand völlig Unbeteiligtem Ihre Idee in 2-3 Sätzen nahe bringen – sodass er oder sie sich vorstellen kann, Ihr Kunde zu werden.

Was einfach klingt, ist oft schwieriger als gedacht. Sie brauchen griffige Vergleiche, Vereinfachungen und eine Vision von dem, was Sie erreichen wollen. Auch Selbstbewusstsein und jede Menge Begeisterung für Ihr eigenes Vorhaben helfen Ihnen beim Elevator Pitch weiter.

Letztlich macht auch das einen Unternehmer aus: Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, Verständnis für potenzielle Kunden und Überzeugungskraft.

Elevator Pitch mit Gabriela Meyer

Video: YouTube / Schaebens

Wohin soll die Reise gehen? Der Business-Plan als Fundament Ihres Vorhabens

Nachdem Sie sich all diese Gedanken gemacht haben, haben Sie sicher schon eine Menge Notizen gemacht. Nun geht es darum, das Ganze in eine gewisse Form zu bringen: Ihren Businessplan. Dieser dient nicht nur Ihnen noch in fünf Jahren als Maßstab für Ihren Erfolg, sondern ist auch für Ihre potentiellen Investoren ein wichtiges Arbeitsdokument. Im Grunde handelt es sich um ein Standardwerk, das folgende Eckpunkte umfassen sollte:

  1. Executive Summary: Hier hilft Ihnen der Elevator Pitch, die wichtigsten Eckpunkte in wenigen Sätzen zusammenzutragen.
  2. Teamvorstellung: Wer gründet? Welche Anteilsverteilung ist geplant? Welche Expertisen bringen die Gründer ein?
  3. USP-Darstellung: Was soll verkauft werden und warum ist das (regional, bundesweit, europaweit, weltweit) einzigartig?
  4. Marktanalyse: Welche Zielgruppen bedienen Sie? Wie sieht der Markt aus? Welche Wettbewerber gibt es?
  5. Vermarktung: Wie soll Ihr Produkt vermarktet werden? Mund-zu-Mund-Propaganda? Google-Werbung? Soziale Medien? Oder TV?
  6. Rechtsform und Standort: Wo wollen Sie gründen und in welcher Rechtsform? Unterschätzen Sie nicht die Wahl des Standorts, gerade für spätere Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Unternehmen.
  7. Finanzplan: Rechnen Sie für mindestens drei Jahre hoch, welche Kosten, Umsätze und Gewinne Sie erwarten.
  8. SWOT-Analyse: Stellen Sie detailliert dar, worauf Sie sich konzentrieren wollen und warum – und was Sie bewusst nicht tun werden.

 

Start-up-Boom: Hürden für Gründer dank Internet besonders niedrig

Einerseits lässt sich der Start-up-Boom durch den Wunsch nach Eigenständigkeit erklären. So war ein Großteil der Gründer bei der Unternehmensgründung durch den Wunsch motiviert, die eigene Geschäftsidee in die Realität umzusetzen. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC). Weiter zeigt die Umfrage, dass der absolute Großteil von der eigenen Geschäftsidee überzeugt war und durch den Glauben an Erfolg und Wachstumspotenzial angetrieben wurde.

Andererseits sind dank des Internets Firmengründungen in vielerlei Hinsicht einfacher geworden. Sie sind nicht nur mit weniger Investitionen verbunden: So ist beispielsweise die Anmietung eines Büros nicht immer notwendig. Und mit Cloud-Services sparen Sie sich wertvolle Ressourcen für die Anschaffung von Hardware und bleiben flexibel.

Nicht zuletzt ist der durchschnittliche Existenzgründer inzwischen mit dem World-Wide-Web und dem Smartphone aufgewachsen. So waren im vergangenen Jahr 50 Prozent aller Gründer zwischen 25 und 34 Jahre alt – also absolute Digital Natives.

Die Hürden, ein Unternehmen zu gründen, fühlen sich demnach oftmals gar nicht so hoch an. So nehmen viele das Risiko eines möglichen Scheiterns eher in Kauf und wagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Folglich sind Start-ups im Durchschnitt recht jung. 2017 waren sie im Schnitt 2,7 Jahre alt, wie die eingangs erwähnte Umfrage des Bundesverbands Deutscher Startups zeigt.

 

Erfolgreich in die Selbständigkeit: Mit PACESETTER und F-LANE

Die eingangs genannten Beispiele zeigen, dass es sich durchaus lohnen kann, Risiken einzugehen. Um die innovativen Impulse der Start-ups zu fördern, bietet Vodafone ein extra auf Gründer ausgerichtetes Produkt namens PACESETTER an. Hier können Firmengründer Zugriff auf Expertenwissen bekommen, Cloud-Services nutzen und günstig an Office-365-Lizenzen. Speziell für Gründerinnen gibt es außerdem das Programm F-LANE. Es richtet sich speziell an Vorhaben, die soziale Herausforderungen mit technologischen Ansätzen lösen wollen.

 

Welche Geschäftsidee wollen Sie zur Marktreife bringen? Welches sind für Sie die größten Herausforderungen dabei? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar.

 


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