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Auf ein Wort

„Ich blicke mit Spannung und Freude in die Zukunft“

In rasendem Tempo kommen neue Technologien auf den Markt, die unser Leben verändern. Aber welche davon haben das Potenzial, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, und welche Risiken bringen sie mit sich? Darüber spricht Thomas Schulz.

Thomas Schulz
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Thomas Schulz berichtet als Journalist aus dem Silicon Valley und verfasste unter anderem den Bestseller „Was Google wirklich will“. Auf der Future Connect Tour 2019/2020 von Vodafone wird er als Speaker auftreten.

Herr Schulz, aus dem Silicon Valley kennen wir Beispiele wie Uber oder Airbnb, die ganze Branchen umgekrempelt haben. Ob das immer zum Nutzen der Menschen ist, wird zumindest kontrovers diskutiert. Aber kann Digitalisierung auch zum Wohl der Gesellschaft und jedes Einzelnen beitragen?

Klar auf der Hand liegt das beispielsweise im Bereich Medizin. Wohl niemand dürfte etwas dagegen haben, wenn neue Krebstherapien gefunden werden, zur Vermeidung und Behandlung von Diabetes geforscht wird oder neue Tests gegen Infektionskrankheiten entwickelt werden. Machine Learning und Analysen großer Datenmengen bieten hier ganz neue Möglichkeiten, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder besser zu behandeln. So kann es zum Beispiel helfen, wenn Patienten ihre genetischen Daten in die Diagnose mit einbringen.

 

Birgt der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Big Data gerade in diesem sensiblen Bereich nicht auch Risiken?

Risiken gibt es natürlich immer. Wenn etwa Google eine neue Medizinplattform errichten möchte und darüber auch Patientendaten laufen sollten, dann hat Google auf einmal auch Zugriff auf Patientendaten. So etwas muss man zu Recht kritisch hinterfragen. Auf der anderen Seite sind im Silicon Valley gerade in der Medizin viele Start-ups aktiv, die vorwiegend von Medizinern betrieben werden. Dann sehe ich keinen großen Unterschied, ob solche Forschungen an einer Uniklinik in Deutschland betrieben werden oder von einem durch Mediziner gegründeten Start-up in den USA.

 

Welche Rolle spielen denn Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Silicon Valley?

Das ist recht interessant. Nach der Jahrtausendwende war „Clean Technology“ ein großes Thema im Silicon Valley. Es hat sich aber kaum in Geschäftsmodelle umsetzen lassen, weshalb dieser Bereich fast komplett aufgegeben wurde. Das ändert sich nun langsam wieder. Nicht zuletzt, weil Tesla sich als Vorreiter für Elektromobilität etabliert hat und damit den Beweis erbrachte, dass sich auch mit Nachhaltigkeitsthemen Geld verdienen lässt. Nun gibt es eine ganze Reihe von Start-ups im Bereich neuer Mobilitätsmodelle und – hochinteressant – den Versuch, eine sauberere Kernenergie zu entwickeln. Bei letzterem Thema engagiert sich etwa auch Bill Gates in großem Stil.

Labor
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Krankheiten durch DNA-Analyse früher erkennen und mit Clean Tech die Umwelt retten – an diesen Aufgaben arbeiten Start-ups im Silicon Valley.

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Krankheiten durch DNA-Analyse früher erkennen und mit Clean Tech die Umwelt retten – an diesen Aufgaben arbeiten Start-ups im Silicon Valley.

Industrie vor Wasser
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„Wer hätte im Jahr 2009 voraussagen können, dass heute so gut wie jeder ein Smartphone nutzt? Ich bin davon überzeugt, dass in zehn Jahren künstliche Intelligenz alles durchdrungen haben wird.“

Bei der Diskussion über die Folgen der Digitalisierung landet man schnell bei gesellschaftlichen Grundsatzfragen oder Ideen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen. Im Silicon Valley gilt so etwas aber eher als Teufelszeug, oder?

Keineswegs! „Universal Basic Income“ ist auch im Silicon Valley ein großes Diskussionsthema. Es gibt dazu sogar Testprojekte, beispielsweise beim Gründerzentrum Y Combinator. Man sieht dort durchaus auch, dass etwa Roboter und künstliche Intelligenz zu Verschiebungen oder gar Verwerfungen in der Arbeitswelt führen. Wenn Jobs wegfallen und die Arbeitslosigkeit steigt, wird auch weniger konsumiert. Dann fragen sich die Ökonomen, wie sich dies ausgleichen lässt, und landen bei Überlegungen wie dem Grundeinkommen. Das ist aus Sicht der Industrie keineswegs uneigennützig, aber auf jeden Fall auch dort ein großes Thema.

 

Inwieweit hat die Digitalisierung eigentlich auch Ihr eigenes Geschäft verändert?

Der Journalismus hat sich natürlich grundlegend geändert. Heute ist jeder online, was zu ganz anderen Formen von Journalismus geführt hat. Demgegenüber hat sich das Geschäft eines Buchautors kaum verändert. Was hier jedoch auffällt: Zunehmend werden Bücher als Hörbücher konsumiert. Das ist schon eine Veränderung, weil es einen klaren Unterschied ausmacht, ob der Rezipient ein Buch liest oder es sich vorlesen lässt – zum Beispiel auf seinem Smartphone in der U-Bahn.

Industrie Labor
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Ob Roboter, die den Arbeitsmarkt aufwühlen, oder futuristische Diagnose und Behandlungsverfahren – einige Aspekte des technologischen Fortschritts sind nicht unumstritten.

Industrie Labor
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Ob Roboter, die den Arbeitsmarkt aufwühlen, oder futuristische Diagnose und Behandlungsverfahren – einige Aspekte des technologischen Fortschritts sind nicht unumstritten.

Labor mit Robotern
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„Wenn wir die Möglichkeit haben, Krankheiten weitaus früher zu erkennen, dann ist das eine tolle Sache. Zum Beispiel bei der Krebsfrüherkennung wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren sehr viel zum Besseren wandeln.“

Auf welche Zukunftstechnologie freuen Sie sich ganz besonders? 

Ganz klar auf die Veränderungen in der Medizin – zum einen, weil ich mich zuletzt damit sehr intensiv befasst habe, zum anderen aber auch, weil ich darin die größten Anwendungschancen sehe. Wenn wir die Möglichkeit haben, Krankheiten weitaus früher zu erkennen, dann ist das eine tolle Sache. Zum Beispiel bei der Krebsfrüherkennung wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren sehr viel zum Besseren wandeln. Da sehe ich natürlich auch für mich ganz persönlich große Vorteile in der Zukunft.

 

Wenn wir zehn oder zwanzig Jahre in die Zukunft schauen – dürfen wir uns also auf die digitalisierte Welt freuen, oder blicken Sie doch auch mit Sorge darauf?

 Ich blicke mit Spannung und Freude in die Zukunft. Letztlich hat sich die Menschheit in den letzten tausend Jahren immer nach vorne entwickelt, wenn auch in Wellenbewegungen. Wo wir in zehn Jahren stehen werden, ist aber sehr schwer abzuschätzen. Es gibt eine alte Grundregel: Wir überschätzen, was in einem Jahr möglich ist, aber unterschätzen, was in zehn Jahren möglich ist. Wer hätte im Jahr 2009 voraussagen können, dass heute so gut wie jeder ein Smartphone nutzt? Ich bin davon überzeugt, dass in zehn Jahren künstliche Intelligenz alles durchdrungen haben wird. Es ist aber kaum abzusehen, wie das konkret in der Anwendung und im Alltag aussehen wird. Aber der Unterschied zu heute dürfte genauso einschneidend sein wie der zwischen 2009 und 2019.

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