Auf ein Wort

„Je besser die Technologie, desto unsichtbarer“

Ein Gespräch mit den Aufzugsmonteuren Uwe Jaksche und Ralf Stocker über digitalen Wandel im Job, sprechende Aufzüge und ungewöhnliche Befreiungsaktionen.

Techniker im Aufzug
© Bernhard Huber
© Bernhard Huber

Uwe Jaksche ist seit 20 Jahren Techniker bei thyssenkrupp Elevator. Angefangen hat er als Servicetechniker, inzwischen ist er technischer Projektleiter für das Thema MAX.

Treppe oder Aufzug?

Uwe Jaksche: Ganz klar Aufzug! Werden wir gerufen, wird die Treppe zum natürlichen Feind: Dreizehn Stockwerke zu Fuß mit voller Ausrüstung – das ist kein Spaß.

Ralf Stocker: Kommen wir in ein großes Gebäude, ist die Erleichterung groß, gibt es noch einen zweiten Aufzug, der funktioniert (beide lachen).

Was macht Ihre Arbeit aus?

UJ: Die Vielfältigkeit. Da ist einerseits der menschliche Aspekt: Wir sind ja viel unterwegs, kommen täglich locker mit zehn verschiedenen Kunden in Kontakt. Und andererseits die Technik: Hier sind wir immer vorne dabei, das macht unseren Job noch interessanter.

Apropos Technik: Aktuell verändert sich Ihre Branche so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

UJ: Anfangs war alles auf Papier, teilweise mussten wir noch eine Telefonzelle suchen, um mit Kunden und Zentrale zu sprechen.

© Bernhard Huber

Ralf Stocker ist seit 2001 bei thyssenkrupp Elevator. Als Servicetechniker konnte er in den vergangenen Jahren den technischen Wandel hautnah erleben.

RS: Als ich 2001 angefangen habe, ging alles noch über Zettel: Stundenzettel, Wartungszettel, Störungszettel – alles per Hand. Dann kam der erste Rechner mit Printer. Damit haben wir Aufträge ausgedruckt, die unsere Kunden unterschrieben. Heute machen wir das alles über unser Tablet. Da ist auch eine Vodafone-SIM
drin, über die wir in Echtzeit alle Informationen abrufen. Auftragsscheine kann ich digital vom Kunden unterschreiben und ihm gleich per Mail zukommen lassen. Eine enorme Verbesserung!

Konnten Sie in Ihrem beruflichen Alltag schon Erfahrungen mit IoT und der Cloud sammeln?

UJ: Seit zweieinhalb Jahren bin ich technischer Leiter bei thyssenkrupps MAX- Projekt, da spielen diese Technologien eine Schlüsselrolle. Das Stichwort ist „predictive maintenance“: Wir vernetzen Aufzüge und ihre Komponenten, können so Reparaturen durchführen, ehe der Aufzug ausfällt. Dabei fällt eine enorme Masse von Daten an, die sortiert und geclustert werden müssen – das verändert unsere Arbeit total.

RS: Dabei kann die MAX-Box, über die wir per W-Lan alle Daten zum Aufzug einsehen, weitaus mehr, als nur einen Notruf abzusetzen. Das System ist lernfähig und wird anhand der Daten immer genauer in seinen Diagnosen.
 

Monteur im Aufzugsschacht
© Bernhard Huber
Monteur im Aufzugsschacht
© Bernhard Huber
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Bis zu zehn Bereitschaftsdienste fahren die zwei Techniker täglich. Manchmal liegen zwischen den Einsatzorten mehrere Fahrtstunden.

© Bernhard Huber

Bis zu zehn Bereitschaftsdienste fahren die zwei Techniker täglich. Manchmal liegen zwischen den Einsatzorten mehrere Fahrtstunden.

„Erst wenn der Aufzug kaputtgeht, nehmen Kunden die dahintersteckende Technologie überhaupt wahr.“

Uwe Jaksche

Wie reagieren Ihre Kunden auf diese neuen Technologien?

RS: Überrascht! Wenn man aus dem Nichts anruft und ihnen mitteilt, der Aufzug sei steckengeblieben, bevor sie es selber merken – das sorgt auf jeden Fall für Verwunderung.

UJ: Ich sage mal so: Je besser die Technologie, desto unsichtbarer wird sie für den Nutzer. Der Aufzug ist da ein klassisches Beispiel: Erst wenn er kaputtgeht, nehmen Kunden die dahintersteckende Technologie überhaupt wahr. Mit predictive maintenance nähern wir uns dem Ideal, dass der Aufzug niemals ausfällt – das ist natürlich ein großer Mehrwert. Mit Smarthome bieten wir unseren Kunden außerdem zusätzlich eine Schnittstelle, über die sie sämtliche Informationen zu ihrem Aufzug abrufen können.

Sie arbeiten oft unter Zeitdruck und tragen Verantwortung für Menschen. Wie bleiben Sie fokussiert?

RS: Das ist nicht immer einfach. Wenn wir zum Einsatzort kommen, sind die Gemüter oft schon erhitzt. Ich mache das jetzt seit 18 Jahren – da kann ich das nachvollziehen. Andererseits muss man auch lernen, das abprallen zu lassen.

UJ: Ich sehe das so: Wir sind keine Notärzte, die um Leben kämpfen. Wir reparieren Aufzüge. Und zur Not gibt es immer die Treppen – die können nicht ausfallen.
Schon mal selbst steckengeblieben?

RS: (lacht)

UJ: Ja, nicht nur einmal! Darüber wird nicht gesprochen (lacht). Nein, im Ernst: Ich bin schon in diversen Situationen stecken geblieben: in der Kabine, auf der Kabine, sogar in der Schachtgrube, über mir der Aufzug. Das sind spannende Eindrücke.

Zwei Männer arbeiten
© Bernhard Huber

Alles im Blick: Vodafone und thyssenkrupp Elevator machen Aufzüge zum Teil des Internet der Dinge. Über Touchpad sind alle wichtigen Informationen zur Aufzugsanlage abrufbar.

Zwei Männer arbeiten
© Bernhard Huber

Alles im Blick: Vodafone und thyssenkrupp Elevator machen Aufzüge zum Teil des Internet der Dinge. Über Touchpad sind alle wichtigen Informationen zur Aufzugsanlage abrufbar.

© Bernhard Huber
© Bernhard Huber

„Objektiv betrachtet sind Aufzüge das mit Abstand sicherste Fortbewegungsmittel“

Ralf Stocker

Konnten sie sich selber befreien?

UJ: Das gelingt tatsächlich nur sehr selten, selbst mit unseren Kenntnissen und dem richtigen Werkzeug. Ohne Hilfe von außen ist das so gut wie unmöglich.

Der Ausstieg durch die Decke à la Hollywood ist also nur ein Aufzugs-Mythos?

RS: Das ist tatsächlich ein Film-Klischee. Das geht höchstens in Feuerwehraufzügen und nur mit besonderem Werkzeug.

UJ: Ich würde sogar stark davon abraten: Aufzüge sind in den vergangenen Jahren noch sicherer geworden, und wenn jemand tatsächlich mal steckenbleiben sollte, ist die Kabine der sicherste Ort.

Können Sie trotzdem nachvollziehen, dass manche Menschen lieber in den 12. Stock laufen, als den Aufzug zu nehmen?

RS: Klar. Da gibt’s viele Gründe, zum Beispiel Platzangst. Objektiv betrachtet sind aber Aufzüge das mit Abstand sicherste Fortbewegungsmittel – man bedenke nur die Anzahl der täglichen Aufzugfahrten weltweit, verglichen mit Unfallzahlen: Statistisch gesehen, sind die Zahlen minimal.

Die glücklichste Rettung?

RS: Eine schwangere Frau in Wiblingen, bei Ulm. Das war ein älteres Aufzugmodell mit Drehtüren und Glasscheiben. Der Aufzug war auf halber Höhe stehengeblieben. Die Frau war in Panik geraten und hatte die Glasscheiben herausgetreten, als ich ankam. Ich konnte sie schnell rausholen und beruhigen, aber das hat mich schon mitgenommen.

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