Stand auf der OMR von GigaNetwork
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Satelliteninternet: die Revolution aus dem All

Satelliteninternet hat das Potenzial, zu einer Schlüsseltechnologie der nahen Zukunft zu werden – und Milliarden Menschen zu vernetzen. Vodafone und sein Partner AST SpaceMobile wollen die Technik jetzt auf ein neues Level heben.

Die globale Vernetzung hat massive Auswirkungen auf die Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts, die durchaus mit jenen der Dampfmaschine auf das 19. Jahrhundert oder der Elektrifizierung auf das 20. Jahrhundert vergleichbar sind. Digitale Konnektivität ist in unserem Alltag inzwischen so allgegenwärtig, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. Was dabei oft vergessen wird: Weltweit gibt es noch zahlreiche Gebiete, in denen die schwierige geografische Lage den Aufbau digitaler Kommunikationsnetzwerke bedeutend erschwert.

Wie sich das ändern könnte, durften Besucher:innen des diesjährigen OMR Festivals auf dem Vodafone-Stand erleben. Unter dem Begriff „GigaNetwork“ wurde hier unter anderem auch die Multilayer-Technologie von Vodafone präsentiert. Die leistungsstarke Lösung ist das Ergebnis der einzigartigen Kombination der Netzwerktechnologien 4G|LTE, 5G, IoT und Kabel-Glasfaser von Vodafone und dient als Wegbereiter für die Digitalisierung – und somit für die datenintensive Kommunikation zwischen Menschen, Unternehmen und Maschinen, weltweit und in Echtzeit. 

Daneben fanden visionäre Projekte Platz, wie zum Beispiel ein 5G-Luftschiff, das für die Dauer des Festivals über den Köpfen der Besucher:innen schwebte. Noch weit höher hinaus wollen Vodafone und sein Partner AST SpaceMobile aber mit einer weiteren Technologie, die auch auf dem OMR Festival vorgestellt wurde: dem Satelliteninternet.  

„Breitbandanschluss ist ein Menschenrecht. Es ist ein menschliches Bedürfnis, das unbestreitbar ist.“

Abel Avellan, Gründer und Geschäftsführer von AST SpaceMobile

Weltraumzeitalter 2.0

Die Idee der satellitengestützten Vernetzung ist nicht neu und lässt sich in ihren Grundzügen bis in die frühen Tage des Weltraumzeitalters um 1950 zurückverfolgen. In den vergangenen Jahren wurden bestehende Satelliteninfrastrukturen bereits genutzt, um im Fall von Naturkatastrophen die Konnektivität in den betroffenen Ländern aufrechtzuerhalten und somit Hilfsarbeiten zu unterstützen. Auch Anfang 2022, nach Ausbruch des Ukrainekriegs, dominierten Berichte über Satelliteninternet die Schlagzeilen: Die Technologie wurde damals genutzt, um die Internetverbindung im Land sicherzustellen. 

Was unterscheidet also die Satellitentechnologie, die das US-basierte Unternehmen AST SpaceMobile in Partnerschaft mit Vodafone zur Marktreife bringen will, von bereits bestehenden Lösungen? „Die Grundlage unserer Technologielösung ist ein zellulares Breitbandnetz im Weltraum, das für gewöhnliche, handelsübliche Mobiltelefone und andere zellularkompatible Geräte wie ein Mobilfunknetz aussehen und funktionieren würde“, erklärt Scott Wisniewski, Chief Strategy Officer bei AST SpaceMobile. 

AST SpaceMobile Produktion

Das Team von AST SpaceMobile plant den Start und Einsatz von BlueWalker 3, einem 693 Quadratfuß großen Testsatelliten, für Anfang bis Mitte September.

AST SpaceMobile Produktion

Das Team von AST SpaceMobile plant den Start und Einsatz von BlueWalker 3, einem 693 Quadratfuß großen Testsatelliten, für Anfang bis Mitte September.

AST SpaceMobile Produktion
AST SpaceMobile Produktion

Hoch hinaus dank neuartiger Satelliten

Um Signale aus dem All empfangen zu können, benötigen bestehende Netzwerke Unterstützung durch Satellitenschüsseln oder vergleichbare Technik. Für herkömmliche Smartphones sind sie somit nur über eine entsprechende bodenbasierte Infrastruktur nutzbar. Genau das will AST SpaceMobile ändern: „Unsere geplanten Satelliten im niedrigen Orbit, BlueBirds genannt, werden so konzipiert, dass sie das von den Mobilfunknetzbetreibern bereits lizenzierte Zellularspektrum nutzen und eine direkte Verbindung zu den mehr als 5,3 Milliarden Mobiltelefonen herstellen, die heute in Gebrauch sind“, sagt Wisniewski.  

Um diese Vision zu verwirklichen, musste AST SpaceMobile bestehende Technologie neu denken. Mehr als 2.300 Patentansprüche hat das Unternehmen zur Entwicklung seines Projekts angemeldet. AST SpaceMobile plant, mit BlueBird-Satelliten ein globales Mobilfunk-Breitbandnetz im Orbit zu bilden. Jeder Satellit würde als eine Art große Antenne fungieren, um Daten sowohl an Telefone am Boden zu senden als auch zu empfangen. Gründer und CEO Abel Avellan stellt sich vor, dass ein solches Netzwerk die zellulare Breitbandkommunikation ermöglichen würde, um nicht nur Versorgungslücken in bestehenden Märkten zu schließen, sondern auch um den Service auf unterversorgte Regionen auszudehnen.

„Wir sind überzeugt, dass AST SpaceMobile in einer einzigartigen Position ist, eine allumfassende Mobilfunkversorgung bereitzustellen.“

Nick Read, Hauptgeschäftsführer der Vodafone Group

Allumfassende Mobilfunkversorgung

Laut GSMA-Daten ist etwa die Hälfte der Menschheit nicht an Mobilfunk-Breitband angeschlossen, einschließlich etwa 450 Millionen Menschen, die keinerlei Netzabdeckung haben. AST SpaceMobile beabsichtig, die betroffenen Gebiete zu vernetzen, sagt Wisniewski. „Unsere Ingenieure und Weltraumwissenschaftler sind auf einer Mission, um die Versorgungslücken zu schließen, mit denen Milliarden von Mobilfunkteilnehmern konfrontiert sind, und endlich alle Menschen mit Breitband zu versorgen“, erklärt er.

2023 will das Start-up die ersten kommerziellen BlueBird-Satelliten starten, weitere sollen folgen. Anfang bis Mitte September 2022 wird das Unternehmen vor der ersten großen Hürde stehen: Dann soll der Testsatellit BlueWalker 3 mit einer vom Luft- und Raumfahrtunternehmen SpaceX gebauten Falcon-9-Rakete in den Orbit gebracht werden.

Vodafone als starker Partner

„Vodafone baut seit fast 30 Jahren Mobilfunknetze auf und hat in dieser Zeit eine umfassende Expertise und starke Beziehungen auf der ganzen Welt aufgebaut“, erklärt Wisniewsk: „Wir glauben, dass die Zusammenarbeit mit Vodafone uns dabei helfen kann, unseren geplanten SpaceMobile-Dienst bestmöglich umzusetzen.“ Darüber hinaus sehe er eine bedeutende Überschneidung in der Mission beider Unternehmen, durch die Vernetzung immer breiterer Teile der globalen Gesellschaft eine bessere, inklusivere und nachhaltigere digitale Zukunft für alle zu ermöglichen.

An guten Argumenten für die Umsetzung einer direkten Vernetzung zwischen Satelliten und Mobilfunk herrscht ohnehin kein Mangel: Die Nachfrage nach Mobilfunkverbindungen steigt Jahr für Jahr, sowohl in Bezug auf den Durchsatz als auch auf die Abdeckung. Satellitentechnologie könnte dort eine flächendeckende Abdeckung bieten, wo herkömmliche drahtlose Netze dies nicht können – insbesondere in Regionen, in denen extreme Bedingungen für den Aufbau einer konventionellen Bodeninfrastruktur vorherrschen. 

Katastrophenhilfe aus dem Weltraum

Neben dem Potenzial für die gesellschaftliche Entwicklung strukturschwacher Länder und Regionen wird die Bedeutung digitaler Kommunikationsnetzwerke am ehesten sichtbar, wenn diese durch externe Einwirkung beeinträchtigt werden. Naturkatastrophen oder bewaffnete Konflikte führen oft zum Zusammenbruch der Konnektivität in den betroffenen Gebieten, mit zahlreichen negativen Folgen. Start-ups wie AST SpaceMobile könnten helfen, diese Probleme nachhaltig zu beheben. 

Obwohl das Projekt noch einige Herausforderungen bewältigen muss: Wer auf dem OMR Festival das Gespräch mit seinen Betreibern gesucht hat, wird schnell festgestellt haben, dass sie fest an den Erfolg ihrer Vision glauben. 

Vodafone und AST Space Mobile