Lanz und Precht auf der Bühne
GigaWork

Die Zukunft der Arbeit jenseits von New Work

Markus Lanz und Richard David Precht gehören zu den bekanntesten Namen der deutschen Medienlandschaft, inzwischen moderieren sie gemeinsam einen erfolgreichen Podcast. Auf der OMR haben sie live über die Zukunft der Arbeit gesprochen.

Chancen, Konflikte und Herausforderungen um die Zukunft der Arbeit sind zu einer Kernfrage unserer Zeit geworden. Es ist also passend, dass das Thema auf dem OMR Festival mit Richard David Precht und Markus Lanz von zwei Speakern debattiert wurde, die das lockere Philosophieren über Gott und die Welt zum Markenkern ihrer gemeinsamen Sendung gemacht haben. Der Solinger Philosoph und der deutsch-italienische Moderator trugen vor den 7.000 Zuschauer:innen, die sich um die „Red Stage“ versammelt hatten, eine Art „Best-of“ ihres Podcasts vor. Dieser hatte sich bereits in zwei Folgen mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“ auseinandergesetzt.

Ähnlich wie im Podcast standen auch auf der OMR-Bühne die Folgen der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt im Mittelpunkt des Wortwechsels zwischen den zwei Protagonisten. Die Positionen waren dabei klar besetzt: Precht hat sich in seinem Buch „Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“ (2018) schon vor Jahren für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) als Instrument für mehr Sicherheit und Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter ausgesprochen. Lanz hingegen ist erklärter Skeptiker der Maßnahme.

Utopie digitale Arbeitswelt?

Ausgangspunkt für Prechts Überlegungen ist die Feststellung, dass Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz in naher Zukunft für massive Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt sorgen werden. Waren in den vergangenen Jahrzehnten vor allem klassische Fließbandjobs („Blue Collar Jobs“) von Delokalisierung und Automatisierung betroffen, werden sich in naher Zukunft auch Dienstleister:innen und Angestellte („White Collar Jobs“) mit zunehmend leistungsstarken KI-Anwendungen konfrontiert sehen, die zum Wegfall zahlreicher Arbeitsplätze führen könnten, so Prechts Befürchtung. 

Was viele Politiker:innen und Arbeitsexpert:innen als Albtraumszenario sehen, beschreibt Precht jedoch als einmalige Chance, um die Menschen zu befreien und ihnen mehr Chancen zur Entfaltung ihrer Neigungen und Interessen zu geben. „Was wir in den reichen Industrieländern des Westens gegenwärtig erleben, ist eigentlich eine historische Zäsur“, erklärt Precht auf der OMR-Bühne: Arbeit stehe in unserer Gesellschaft im Mittelpunkt des Lebens, ob man das wolle oder nicht. Gleichzeitig seien noch nie so viele Menschen in der Lage gewesen, sich die Frage zu stellen, was sie eigentlich von ihrer Arbeit wollen oder wie und mit wem sie arbeiten wollen. Dies führe zu einer „gewaltigen Transformation der Arbeitsgesellschaft“, die eine „neue Zeit“ einleite.

Frau arbeitet im Wald

Technologie hat unseren Arbeitsalltag in den letzten Jahren stark gewandelt – inwiefern werden sich Roboter in weitere Arbeitssektoren einfügen?

Frau arbeitet im Wald

Technologie hat unseren Arbeitsalltag in den letzten Jahren stark gewandelt – inwiefern werden sich Roboter in weitere Arbeitssektoren einfügen?

Armroboter sortieren Salat
Armroboter sortieren Salat

„Das Leben war noch nie für so viele Menschen gleichzeitig ein Wunschkonzert, wie es das heute ist.“

Richard David Precht, Philosoph und Autor

Vision bedingungsloses Grundeinkommen 

Die Digitalisierung der Arbeitswelt stellt der Philosoph sowohl als Herausforderung wie auch als Chance dar. Lanz zeigt sich hingegen vom Zukunftsszenario, das Precht den Zuschauern vorträgt, etwas beunruhigt: Welche Jobs seien denn nun am stärksten der Gefährdung einer Automatisierung ausgesetzt, will er wissen – und gibt es überhaupt noch sichere Jobs? Zwar seien starke Zerrüttung am Arbeitsmarkt zu erwarten, entgegnet Precht, aber dass man eine Stelle automatisieren könne, hieße noch lange nicht, dass man dies auch tue. Um dies zu verdeutlichen, bringt Precht das Beispiel der Berufe im erzieherischen und pflegerischen Bereich. Diese könne man zwar durch KI und Robotik automatisieren. Dass dies tatsächlich geschehen werde, hält Precht jedoch für unwahrscheinlich: Jobs, in denen zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt stehen, seien nur bedingt durch Maschinen ersetzbar.

Aber wie sollen Berufe in Bereichen wie der Pflege in Zukunft besetzt werden, wenn dort schon heute ein Fachkräftemangel herrscht? Man müsse Pfleger:innen entlasten, sagt Precht, sodass diese nicht mehr gezwungen seien, in Vollzeit zu arbeiten. Hier kommt für ihn das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel: Mit dieser Maßnahme sollen alle Bürger:innen eines Staates einen monatlichen Beitrag ausgezahlt bekommen, der zur Sicherung ihres Lebensunterhalts ausreicht – unabhängig von Beruf oder Gehalt. Dadurch sollen alle ihren „wahren“ Interessen und Leidenschaften nachgehen können. Denn dies sei „die Natur der Menschen“, so der Philosoph, „und nicht, von 9 bis 5 ins Büro zu gehen.“

„Arbeit ist in vielerlei Hinsicht sinnstiftend.“

Markus Lanz, Fernsehmoderator und Filmproduzent

Die Suche nach dem Purpose

Damit greift Precht das Thema Purpose auf, also die Frage nach dem Sinn der eigenen Arbeit, die zum Kern der New-Work-Bewegung gehört. Lanz zeigt sich skeptisch und versucht im Verlauf der Diskussion, die möglichen negativen Auswirkungen eines BGE zu thematisieren: „Wenn ich dieses Grundeinkommen hätte, wie lange würde ich trotzdem morgens aufstehen und einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen?“, fragt der Moderator. Precht bestreitet das Problem: Er wolle den Menschen eben nicht „die Arbeit wegnehmen“, sondern „Sinn und Perspektive“ geben.

Die vielen Zuschauer:innen, die sich um die Red Stage versammelt haben, lauschen dem Gespräch gespannt. Man merkt: Das Thema stößt auf starkes Interesse. Das ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass viele von ihnen die scheinbar abstrakten Veränderungen, von denen Lanz und Precht sprechen, bereits im eigenen Leben spüren. Digitale Zusammenarbeit ermöglicht bereits heute ein Maß an Flexibilität und Selbstbestimmung, das es in der modernen Arbeitswelt womöglich noch nie gegeben hat. Nicht nur Homeoffice und flexible Arbeitszeiten, auch das Arbeiten aus dem Ausland oder von malerischen Orten, an denen man normalerweise Urlaub macht, gehören inzwischen für viele zum Alltag (Stichwort „Workation“). 

Jenseits von New Work

Dass die aktuellen Veränderungen, die aus der Digitalisierung der Arbeitswelt hervorgehen, nicht nur als Bedrohung, sondern durchaus auch als Chance wahrgenommen werden sollten, haben auch die spannenden Gespräche auf dem OMR Festival einmal mehr verdeutlicht. Für Unternehmen bleibt wichtig: Die bevorstehenden Transformationen werden sich nur meistern lassen, wenn sie sich rechtzeitig darauf einstellen. Effektive Tools für eine nachhaltige digitale Zusammenarbeit sind dabei ebenso unersetzbar wie eine zukunftsgerichtete und offene Arbeitskultur. Vodafone Business stellt seinen Kund:innen deshalb ein umfangreiches Portfolio an Produkten und Anwendungen zur Verfügung, um sie dabei zu unterstützen, den digitalen Arbeitsalltag erfolgreich zu meistern – mit oder ohne bedingungsloses Grundeinkommen.