Sie helfen, wo sie können. Aber Rettungskräfte müssen auch unternehmerisch denken. Die Gießener Johanniter setzen auf das mobile Datenerfassungssystem NIDA, das in Kooperation mit Vodafone entwickelt wurde.
Dass Zeit Geld ist, bewahrheitet sich immer wieder. Üblicherweise wird dabei in Stunden oder Tagen gerechnet und nicht selten geht es dabei um etliche tausend Euro. Manchmal kommt es jedoch auf Sekunden an und das kann dann im Ernstfall lebensrettend sein. Ralf-Michael Wagner, Facharzt für Anästhesie und Notarzt bei den Johannitern Regionalverband Gießen tätig: "Im Rettungswesen kann die durch Effizienz gewonnene Zeit entscheidend sein."
Assistent für den Rettungsdienst: NIDA, das elektronische Multitalent, erspart Sanitätern den Papierkrieg |
Die Johanniter in Gießen arbeiten seit Ende 2003 mit einem neuen elektronischen Hilfsmittel, das die Arbeit der Einsatzkräfte beträchtlich erleichtert. Bei "NIDA"
("Notfall-, Informations- und Dokumentationsassistenz") handelt es sich um einen Handheld-PC, der speziell für Rettungsdienste konzipiert wurde. Mit NIDA lassen sich auf einem übersichtlichen Display blitzschnell Diagnosen, unternommene Maßnahmen und Daten zur Krankenvorgeschichte erfassen und über eine Datenverbindung im Vodafone-Netz an ein Krankenhaus übertragen. So können hier schon vor Eintreffen des Patienten vorbereitende Maßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus verfügt NIDA über Schnittstellen für vorhandene Medizintechnik, die laufend ergänzt werden.
Realisiert wurde der elektronische Assistent von der Gießener medDV GmbH in Kooperation mit Vodafone. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Konzeption, Entwicklung und dem Betrieb von branchenspezifischen Datenbanklösungen. Zwei der geschäftsführenden Gesellschafter waren früher selbst im Rettungswesen tätig und können daher tiefgreifende Branchenerfahrungen beisteuern.
Gunter Ernst, Geschäftsführer Entwicklung bei medDV: "Im Rettungsdienst wurde bis jetzt üblicherweise auf DIN A3 großen Zetteln dokumentiert, den sogenannten DIVI-Protokollen, und das auch noch mit drei oder vier Durchschlägen. Das macht kein Mensch während des Einsatzes, wenn womöglich Not am Mann ist und es schnell gehen muss. Dass beim späteren Ausfüllen oft nur ein grobes Gedächtnisprotokoll zustande kommt, liegt auf der Hand. Von dem Aufwand, wenn diese Protokolle später mal ausgewertet werden sollen, ganz zu schweigen. Außerdem kann der Zustand eines Patienten auf den Protokollen natürlich nur statisch erfasst werden. Die Reaktion auf unternommene Maßnahmen lässt sich nur unzureichend dokumentieren."
Blitzschnelles Erfassen von Daten
Mit NIDA ist das Schnee von gestern. Der behandelnde Notarzt oder Rettungsassistent macht Eingaben in Sekundenbruchteilen direkt bei der Arbeit, einfach per Eintippen des Touchscreens. Für spezifischere Eingaben beherrscht NIDA auch die Handschriftenerkennung. Die elektronisch erfassten Daten lassen sich nun beliebig verarbeiten - ob sie zur Information weiterbehandelnder Ärzte via Vodafone-Handy per E-Mail oder Fax versendet oder später im Leitstellencomputer ausgewertet werden sollen. Die Rettungskette wird so entscheidend verbessert und beschleunigt.
Auch die Abrechnung der vom Rettungsdienst erbrachten Leistungen mit den Krankenkassen gestaltet sich wesentlich einfacher. Vor Ort wird die Chipkarte des Patienten eingelesen, die relevanten Einsatzdaten können nach einer Überprüfung online an die Krankenkasse übermittelt werden. Das beschleunigt nicht nur den Abrechnungsvorgang enorm, sondern verringert auch den erforderlichen Personalaufwand.
Doch das NIDA-System kann noch mehr. In Zeiten, in denen auch das Rettungswesen spart und immer weniger Leitstellen immer größere Bereiche verwalten müssen, sinken natürlich auch die Ortskenntnisse der Rettungsdienstmitarbeiter. Für die Fahrer ist es daher eine große Hilfe, wenn sie die Daten über den Einsatzort auf dem Bildschirm sehen können, anstatt sie - wie früher - über eine Funkverbindung durchgesagt zu bekommen.
Wesentlich vereinfachte Abrechnung
Umgekehrt hilft es natürlich den Leitstellen bei der Einsatzplanung, wenn sie immer den genauen Standort ihrer Fahrzeuge kennen. Beides ermöglicht die Navigationsfunktion von NIDA. Der Rettungsdienst der Gießener Johanniter fährt zur Zeit übrigens über 11.000 Einsätze pro Jahr. Dabei stets den direkten Weg zum Ziel zu nehmen, führt natürlich auch zu einem nicht zu vernachlässigenden Spareffekt.